Schlussrede von Präsidentin von der Leyen auf der Veranstaltung „Choose Europe for Science“ in der Sorbonne

Schlussrede der Präsidentin auf der Veranstaltung „Choose Europe for Science“ in der Sorbonne

„Es gilt das gesprochene Wort“

Herr Präsident, lieber Emmanuel,

sehr geehrter Herr Dekan,

sehr geehrte Professorinnen und Professoren,

sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist eine Ehre, hier in der Sorbonne zu sein – umgeben von einigen der klügsten Köpfe der Welt. Lieber Emmanuel, Du hast einmal gesagt, dass die Sorbonne zunächst eine Idee war, bevor sie eine Universität war. Eine Idee von wissenschaftlicher Exzellenz, Zusammenarbeit und – wenn ich das sagen darf – der Chancen. Und keine Geschichte veranschaulicht dies besser als die von Maria Salomea Skłodowska-Curie, auch bekannt als Marie Curie. In ihrer Heimat Polen, die damals von Russland besetzt war, war Frauen der Zugang zu Universitäten verwehrt. Also besuchten sie und ihre Schwester geheime Abendschulen und träumten von Freiheit durch Wissen. Das war Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Reise sollte sie schließlich an die Sorbonne führen. Hier durfte sie studieren und forschen. Am Ende revolutionierte sie die Medizin und die Physik. Maria Skłodowska-Curie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, die erste Person, die zweimal einen Nobelpreis erhielt, und die einzige Person, die einen Nobelpreis in zwei unterschiedlichen Disziplinen erhielt. Und ihre Entdeckungen und ihre Arbeit im Bereich der Strahlung haben Millionen von Menschenleben gerettet. Ich beginne mit dieser Geschichte nicht nur, weil wir hier in der Sorbonne sind – oder etwa, weil sie zeigt, wie wissenschaftliche Exzellenz das Schicksal verändern kann. Sondern weil dies auch eine Geschichte über Freiheit ist. Die Freiheit, zu lernen und zu erfinden. Es ist eine Geschichte über Offenheit. Die Offenheit, Ideen zu bahnbrechenden Entdeckungen zu machen. Und es ist eine Geschichte über Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Und genau davon brauchen Europa und die Welt heute mehr. Denn ich bin überzeugt, dass die Wissenschaft nach wie vor der Motor für Fortschritt und Wachstum für unsere Gesellschaften ist. Ohne die Ideen und Durchbrüche aus der wissenschaftlichen Forschung stagniert der Fortschritt früher oder später.

Wie Ihre Gespräche heute gezeigt haben, wird die Rolle der Wissenschaft in der heutigen Welt bedauerlicherweise in Frage gestellt. Die Investitionen in grundlegende, freie und offene Forschung werden in Frage gestellt. Was für eine gigantische Fehleinschätzung. Ich glaube, dass die Wissenschaft der Schlüssel für unsere Zukunft hier in Europa ist. Ohne sie können wir die globalen Herausforderungen von heute – von Gesundheit bis hin zu neuen Technologien, vom Klima bis hin zu den Ozeanen – einfach nicht bewältigen. Und wenn ich mich hier im Saal umschaue – und all die jungen Menschen hier sehe –, weiß ich, dass uns die neuen Ideen und klugen Köpfe noch lange nicht ausgegangen sind. Tatsächlich kratzen wir bislang nur an der Oberfläche des Wissens, das uns die Wissenschaft bieten kann. Daher müssen wir uns mehr denn je für die Wissenschaft einsetzen. Eine Wissenschaft, die universell ist – von der gesamten Menschheit geteilt – und die eine vereinende Wirkung hat. Denn das Streben nach Wissen und der Wunsch, zu verstehen, wie Dinge funktionieren, sind Werte, die uns als Menschen zusammenbringen. So wie es hier heute der Fall ist. Wir sind uns alle einig, dass die Wissenschaft keinen Pass, kein Geschlecht, keine ethnische Zugehörigkeit und keine Zugehörigkeit zu einer politischen Partei hat. Und damit spielt sie eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Menschen miteinander zu verbinden und eine gemeinsame Zukunft in der gespaltenen Welt von heute zu schaffen. Wir glauben, dass Vielfalt ein Gewinn für die Menschheit und die Lebensader der Wissenschaft ist. Sie ist eins der wertvollsten Güter der Welt und muss geschützt werden.

Deshalb bin ich heute hier, um zu sagen, dass Europa sich immer für die Wissenschaft entscheiden wird. Und Europa wird sich stets dafür einsetzen, dass sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Welt für Europa entscheiden. Wissenschaftliches Streben ist fester Bestandteil der gesamten europäischen Geschichte – von Pythagoras und Aristoteles im antiken Griechenland über Galileo und Kopernikus in der Renaissance bis hin zu Koch oder Pasteur in den letzten Jahrhunderten. Die älteste Universität in Europa wurde in Bologna gegründet, wo schon seit 1088 gelehrt wird. Und auch die wissenschaftliche Revolution, die – dank Durchbrüchen in Mathematik, Astronomie, Biologie und vielen anderen Bereichen – eine der folgenreichsten Veränderungen in der Geschichte der Menschheit darstellte, fand in Europa statt. Diese Tradition lebt bis heute fort. Europa liegt bei den wissenschaftlichen Ergebnissen bereits auf Platz zwei der Welt. In Europa sind mehr als 2 Millionen Forscherinnen und Forscher tätig, d. h. ein Viertel aller Forscherinnen und Forscher weltweit. In den Bereichen grüne Technologien, Gesundheit, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften sind wir führend. Wir liefern herausragende Ergebnisse in Feldern der wissenschaftlichen Forschung und der Technologien, die für unsere Zukunft von entscheidender Bedeutung sind – von der Luft- und Raumfahrt bis zur Robotik, von der Automobiltechnik bis zum Ingenieurwesen, von der Biotechnologie bis zu Arzneimitteln, um nur einige zu nennen.

Und wir verfügen über sehr viele natürliche Vorteile, die uns dabei helfen, uns von anderen abzuheben. Beim ersten handelt es sich um nachhaltige und stabile Investitionen aus Europa und seinen Mitgliedstaaten. Europa betreibt das weltweit größte internationale Forschungsprogramm – Horizont Europa. Dieses Programm ist mit über 93 Milliarden EUR ausgestattet und verfügt somit über eine große Schlagkraft. In den letzten 40 Jahren hat die Europäische Union 33 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger finanziert. Die europäische Unterstützung hat Durchbrüche bei der Genomsequenzierung und im Bereich der mRNA-Impfstoffen ermöglicht. Sie hat die Entwicklung hochmoderner Mikrochips gefördert und sogar zum ersten Bild eines schwarzen Lochs geführt. Diese Beispiele zeigen, was wir alle wissen – die Rendite von Investitionen in die Wissenschaft sucht ihresgleichen. Wir verfügen über eine Forschungsinfrastruktur von Weltrang. Von der Teilchenphysik bis zur Molekularbiologie und von der Weltraumforschung bis zur Kernfusion. Dies trägt dazu bei, dass Europa in der Grundlagenforschung eine Führungsrolle einnimmt.

Wir verfügen über eine weltweit führende Hochleistungsrecheninfrastruktur, EuroHPC, und wir investieren massiv in KI, Quantenforschung und digitale Forschung. Zudem pflegen wir eine stolze Tradition der offenen und gemeinsam betriebenen Wissenschaft. Wir wahren die Grundsätze der offenen Wissenschaft, der offenen Bildung und des Datenaustauschs. Unser Europäischer Forschungsrat wird nicht von Politikern, sondern von Wissenschaftlern geleitet. Unser Programm „Horizont Europa“ ist ein Magnet für die weltweite Zusammenarbeit. Vom Vereinigten Königreich bis zur Schweiz, von Kanada bis Südkorea, immer mehr Länder wollen sich anschließen. Wir sehen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt hier in Europa zusammenarbeiten. Nehmen Sie als Beispiel das CERN. Es wurde vor 70 Jahren gegründet, um Spitzenforschung durchzuführen, zu der kein einzelnes Land allein in der Lage wäre, und ist heute das weltweit führende Labor für Hochenergie- und Teilchenphysik und damit zusammenhängende Technologien. Forscherinnen und Forscher aus mehr als 100 Nationalitäten arbeiten zum Wohle der Menschheit zusammen. So sollte die Wissenschaft funktionieren. Und deshalb müssen wissenschaftliche Freiheit und Zusammenarbeit stets im Mittelpunkt unserer Institutionen und unserer Infrastruktur stehen.

Meine Damen und Herren,

Europa hat alles, was für ein Gedeihen der Wissenschaft erforderlich ist: Wir haben die stabilen und nachhaltigen Investitionen; wir haben die Infrastruktur; wir engagieren uns für eine offene und kooperative Wissenschaft; wir haben eine soziale Marktwirtschaft, die jedermann Zugang zu guten Schulen, Bildung und Gesundheitsversorgung bietet. Aber gleichzeitig müssen wir wachsam sein und an unseren Schwächen arbeiten. Wir wissen, dass Forscher in Europa im Vergleich zu anderen Teilen der Welt immer noch mit zu viel – oder zu komplizierter – Bürokratie konfrontiert sind. Wir wissen, dass der Weg von der Grundlagenforschung zu Unternehmen und zum Markt hier in Europa nicht einfach oder nicht schnell genug ist. Wir wissen, dass wir den Allerbesten eine längerfristige Perspektive bieten müssen. Wir sind bereit, diese Probleme entschlossen anzugehen.

Wir wollen, dass Europa in der Grundlagenforschung weiterhin eine Vorreiterrolle einnimmt. Wir wollen, dass Europa bei besonders wichtiger Technik – von KI bis Quantentechnologie, von Raumfahrt über Halbleiter und Mikroelektronik bis hin zu digitaler Gesundheit, Genomik und Biotechnologie – führend ist. Wir wollen, dass sich Wissenschaftler, Forscher, Akademiker und hochqualifizierte Arbeitskräfte für Europa entscheiden. Deshalb stelle ich heute die ersten Elemente unserer Initiative „Choose Europe“ vor.

Unsere vorrangige Aufgabe besteht erst einmal darin, dafür zu sorgen, dass die Wissenschaft in Europa offen und frei bleibt. Dies ist unser Markenzeichen. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um es zu erhalten – mehr denn je. Wir wollen den freien Austausch von Wissen und Daten in ganz Europa stärken – ebenso wie wir es für Waren, Talente und Kapital in unserem Binnenmarkt tun. Und wir wollen die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung in einem neuen Gesetz über den Europäischen Forschungsraum verankern. Auch in einer Zeit, in der die Bedrohungen in der ganzen Welt zunehmen, wird Europa kompromisslos zu seinen Grundsätzen stehen. Europa muss die Heimat der akademischen und wissenschaftlichen Freiheit bleiben.

Das zweite Element von „Choose Europe“ ist die Finanzierung. Wissenschaft ist eine Investition – und wir müssen die richtigen Anreize setzen. Deshalb kann ich ankündigen, dass wir ein neues Paket von 500 Millionen EUR für den Zeitraum 2025-2027 vorlegen werden, um Europa zu einem Magneten für Forscherinnen und Forscher zu machen. Dies wird dazu beitragen, die besten, herausragendsten Köpfe aus Europa und der ganzen Welt zu unterstützen. Wir sind bestrebt, im Rahmen des Europäischen Forschungsrates eine neue „Superfinanzhilfe“ mit siebenjähriger Laufzeit auf die Beine zu stellen, um Spitzenforschern eine längerfristige Perspektive zu bieten. Bereits jetzt unterstützen wir über den Europäischen Forschungsrat Forscherinnen und Forscher, die nach Europa umziehen, mit einer Aufstockung unserer Finanzhilfe. Jetzt verdoppeln wir den Betrag, den sie in diesem Jahr erhalten können. Und ich möchte diese Unterstützung auf 2026 und 2027 ausweiten.

Gleichzeitig müssen wir auch die nächste Generation in den Blick nehmen. Aus diesem Grund verstärken wir im Zuge unseres Pilotprojekts „Choose Europe“ im Rahmen des „Maria Skłodowska-Curie“-Programms auch die Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlern. Diejenigen, die sich für Europa entscheiden, erhalten höhere Vergütungen und längere Verträge. Wir werden diese Unterstützung in den nächsten zwei Jahren mit gezielten Anreizen in besonders zukunftsträchtigen Feldern wie KI ausweiten. Mittel- und langfristig, d.h. bis 2030, wollen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedstaaten erreichen, dass 3 % des BIP in Forschung und Entwicklung investiert werden. Und wir werden im nächsten Finanzrahmen ehrgeizige Vorschläge zur Finanzierung von Forschung und Innovation vorlegen. Denn wir wissen, dass eine Investition in die Wissenschaft eine Investition in unsere Zukunft ist.

Der dritte Aspekt von „Choose Europe“ ist die Notwendigkeit, den Weg – von wissenschaftlichen Durchbrüchen hin zu transformativen Innovationen und Geschäftsmöglichkeiten – zu beschleunigen. Deshalb werden wir ein erstes europäisches Innovationsgesetz und eine Start-up- und Scale-up-Strategie vorlegen. Wir werden regulatorische und andere Hindernisse beseitigen und den Zugang zu Risikokapital für innovative europäische Start-ups und expandierende Jungunternehmen erleichtern.

Zu guter Letzt: Wir müssen es einfacher und attraktiver machen, für die Forschung nach Europa zu kommen. Wir werden Forscher und Forschungseinrichtungen besser miteinander vernetzen. Wir werden die Verfahren für Einreise und Aufenthalt in Europa beschleunigen. Wir verfügen bereits über eine ausgezeichnete Plattform, die Forscherinnen und Forscher weltweit mit Tausenden von Stellen in Europa verbindet und Unterstützung bei der Erteilung von Visa sowie Karriereberatung bietet. Jetzt wollen wir öffentliche und private Einrichtungen dabei unterstützen, dass sie hochqualifizierte Arbeitskräfte und Forscher leichter ansprechen können und die Einreise von Spitzenforschern beschleunigen und vereinfachen. Denn wenn wir die Besten aus der ganzen Welt zusammenbringen, bringen wir auch das Beste aus Europa hervor.

Meine Damen und Herren,

Europa hat seine Wahl getroffen. Wir haben uns dafür entschieden, ein neues Zeitalter der Innovation und schöpferischen Kreativität einzuläuten. Wir haben uns dafür entschieden, Forschung und Innovation, Wissenschaft und Technologie ins Zentrum unserer Wirtschaft zu rücken. Wir haben uns dafür entschieden, der Kontinent zu sein, auf dem Universitäten das Fundament unserer Gesellschaften und unserer Lebensweise bilden, auf dem Innovation der Menschheit dient, wo Talente aus der ganzen Welt willkommen sind. Denn wie die Geschichte der Sorbonne und unserer ausgezeichneten Universitäten zeigt, sind Freiheit, Offenheit und Zusammenarbeit Treiber des Fortschritts. Von daher mein Appell an alle Forscherinnen und Forscher, in der Heimat oder im Ausland, an alle Mädchen und Jungen, die von einem Leben in der Wissenschaft träumen und für die Maria Skłodowska-Curie ein Vorbild ist, unsere Botschaft ist klar: Entscheiden Sie sich für die Wissenschaft. Wählen Sie Europa.

Media

“Choose Europe for Science” event at La Sorbonne in Paris, France

2025-05-05
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Zařazenopo 05.05.2025 13:05:00
ZdrojEvropská komise de
Originálec.europa.eu/commission/presscorner/api/documents?reference=SPEECH/25/1130&language=de
langde
guid/SPEECH/25/1130/

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