Präsidentin von der Leyen beim G7-Gipfel in Evian

Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen war Anfang dieser Woche in Evian, um am Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7 teilzunehmen. Die Gipfel-Teilnehmer hatten eine volle Agenda: Im Rahmen des Treffens wurden Möglichkeiten zur Bewältigung der strukturellen Herausforderungen der Weltwirtschaft, insbesondere der globalen Ungleichgewichte und Überkapazitäten, aber auch der Krisen erörtert, die die Welt derzeit erschüttern, wie der Konflikt im Nahen Osten und der Krieg in der Ukraine. Wie Präsidentin von der Leyen ausführte, lag der Fokus des Gipfeltreffens hauptsächlich auf zwei Handlungsfeldern: „Das erste betrifft die Außenpolitik: Wir werden weiterhin daran arbeiten, ein engmaschigeres Netz vertrauenswürdiger Partnerschaften zu knüpfen, präferenzielle Handelsbeziehungen auszubauen und unsere Bezugsquellen für kritische Rohstoffe zu diversifizieren. Das zweite betrifft in erster Linie unsere Innenpolitik: Wir müssen unsere eigene Resilienz stärken – in den Bereichen Industrie, Technologie, Energie und Verteidigung.“ Vom Gipfel ging ein neues Gefühl der Einheit aus, und die Staats- und Regierungschefs erzielten Einigungen sowohl in geopolitischen Fragen als auch beim Thema makroökonomische Ungleichgewichte.
Gemeinsames und koordiniertes Vorgehen gegen weltwirtschaftliche Ungleichgewichte
Ein zentrales Thema des diesjährigen G7-Gipfels waren die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Die Kommissionspräsidentin hob hervor, dass diese Entwicklungen für die Stabilität der Weltwirtschaft zunehmend gefährlich sind. Sie wies darauf hin, dass 2025 zum ersten Mal in der Geschichte alle Mitgliedstaaten ein Handelsdefizit gegenüber China aufwiesen und die Europäische Union insgesamt mit 360 Mrd. EUR ihr bisher größtes Handelsdefizit verzeichnete. Die Präsidentin erklärte, dass Europa angesichts dieser Herausforderung eine bewährte Strategie verfolge: Risikominderung statt Entkopplung. In diesem Zusammenhang nannte sie drei zentrale Handlungsansätze: Erstens die „eigenen Kapazitäten aufstocken“, zweitens „ein weltweites Netz aus Freihandelsabkommen knüpfen, um unsere Lieferketten zu diversifizieren“ und drittens „unseren Markt vor unlauteren Praktiken schützen“. Zu letzterem Punkt führte Präsidentin von der Leyen weiter aus: „In den letzten Jahren haben wir unser Instrumentarium von Schutzmaßnahmen bis hin zu Antisubventionsmaßnahmen entwickelt und gegen unlauteren Wettbewerb und sogar gegen Zwangsmaßnahmen eingesetzt.“ Zudem betonte die Kommissionspräsidentin, dass in dieser Frage Geschlossenheit und Abstimmung unter den G7-Partnern das Gebot der Stunde seien. Um diesem Gebot nachzukommen und geschlossen zu handeln, arbeiteten die G7-Partner daher an einem Abkommen über kritische Rohstoffe, so Präsidentin von der Leyen.
Bewältigung anhaltender Konflikte in der Welt
Präsidentin von der Leyen äußerte sich auch zu den anhaltenden Krisen im Nahen Osten. Sie begrüßte das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran und betonte, wie wichtig es nun sei, das Abkommen umzusetzen und die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder sicherzustellen. Ferner unterstrich die Präsidentin, dass im Libanon eine echte Waffenruhe umgesetzt werden müsse, und erklärte: „Es kann keinen dauerhaften Frieden geben, solange Libanon in Flammen steht. Wir fordern einen echten Waffenstillstand und die uneingeschränkte Achtung der Souveränität Libanons.“ Vor dem Hintergrund des Konflikts im Nahen Osten bekräftigte Präsidentin von der Leyen erneut, dass Europa seine Abhängigkeit von Energieimporten verringern müsse.
Auch die Ukraine stand ganz oben auf der Tagesordnung des Treffens. Präsident Selenskyj wurde von den Staats- und Regierungschefs empfangen, um gemeinsam weiter darüber zu beraten, wie die Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs besser unterstützt werden kann. Der Angriffskrieg dauert nun schon länger an als der Erste Weltkrieg, doch Europa steht weiterhin fest an der Seite der Ukraine. Die Präsidentin der Europäischen Kommission erklärte dazu: „Unser Darlehenspaket in Höhe von 90 Mrd. EUR deckt zwei Drittel des Finanzierungsbedarfs der Ukraine für dieses und das nächste Jahr. Die ersten Auszahlungen erfolgen noch in diesem Monat. (…) Wir bereiten uns auch auf den nächsten Winter vor. Gemeinsam mit Kanada leiten wir die Vorbereitungsarbeit.“ Die Präsidentin würdigte die Anstrengungen und Erfolge der Ukraine in diesem Krieg: „Die Ukraine hält die Frontlinie und gewinnt sogar teilweise Territorium zurück. Sie hat die Fähigkeit entwickelt, strategische Ziele tief in Russland zu treffen. Und sie hat sich zu einem weltweit führenden Hersteller von modernster militärischer Ausrüstung entwickelt.“ Sie begrüßte auch, dass die Ukraine nach Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts der Beitrittsgespräche näher an die EU heranrückt. Präsidentin von der Leyen erklärte zudem: „Russland wiederum spürt die Belastung und den Druck. Unsere Sanktionen wirken und treffen hart. Putins Kriegswirtschaft war noch nie so schwach.“
Bewältigung der Herausforderungen durch KI und Schutz von Kindern im Internet
Abschließend äußerte sich Präsidentin von der Leyen zu den Herausforderungen durch die KI und der Notwendigkeit, Maßnahmen für den Schutz von Kindern im Internet zu ergreifen. Sie befürwortete Fortschritte im Bereich der KI, betonte aber auch, dass bei der Einführung neuer KI-Modelle die Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten und eine Zusammenarbeit zwischen den G7-Partnern unerlässlich seien. Die Präsidentin erklärte dazu: „Es kommt vor allem auf die Zusammenarbeit zwischen den G7-Ländern an. Wir sollten Informationen austauschen und uns der Zusammenarbeit unabhängiger Einrichtungen versichern, die Modelle bewerten, bevor sie auf den Markt kommen.“ Unter dem Gesichtspunkt der Abstimmung und Zusammenarbeit bekräftigte sie ferner: „Wir wollen unsere eigene KI-Zukunft, nicht isoliert – das ist sehr wichtig –, sondern gemeinsam mit unseren vertrauenswürdigen Partnern.“
Die Präsidentin ging auch auf ein Thema ein, das ihr besonders am Herzen liegt: den Schutz von Kindern im Internet. Sie mahnte, dass Kinder ausreichend vor Gefahren geschützt werden müssten, um sicher aufwachsen und sich entwickeln zu können. Sie beleuchtete die Debatte aus einer neuen Perspektive: „Es geht in der Debatte nicht darum, ob junge Menschen Zugang zu sozialen Medien haben sollten, sondern ob – und wann – soziale Medien auf unsere Kinder und Teenager zugreifen können sollen.“ Die Präsidentin äußerte sich dabei auch zur Verantwortung der Technologieunternehmen in dieser Frage: „Auch die Technologieunternehmen tragen eine große Verantwortung. In Europa müssen Plattformen nachweisen, dass sie inhärent sicher sind – ein Grundsatz, der für unsere Kinder und Jugendlichen besonders wichtig ist.“
Ein Forum für bilaterale Gespräche
Am Rande des Gipfels führte Präsidentin von der Leyen zahlreiche bilaterale Gespräche mit den Staats- und Regierungschefs der G7 und deren Partnern. Sie gratulierte Präsident Trump zum Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran und tauschte sich mit Präsident Selenskyj über die Aufnahme der Beitrittsgespräche zum ersten Themenblock und die Auszahlung des mit 90 Mrd. EUR ausgestatteten Unterstützungsdarlehens für die Ukraine aus. Im Anschluss an ein bilaterales Gespräch mit Premierminister Starmer kündigte sie an, dass am 22. Juli ein Gipfeltreffen zwischen der EU und Großbritannien stattfinden werde.
Während des zweitägigen Gipfels führte sie zudem bilaterale Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate Zayed Al Nahyan und dem ägyptischen Präsidenten El-Sisi über die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten. Bei einem Treffen mit Präsident Ruto tauschte sich die Präsidentin über die Ergebnisse des vor zwei Jahren unterzeichneten Wirtschaftspartnerschaftsabkommens und über die Global-Gateway-Strategie aus.
Außerdem traf sie sich mit Premierminister Modi und Präsident Lula zu Gesprächen über die weiteren Schritte nach der Unterzeichnung der Handelsabkommen mit Indien und dem Mercosur zu Beginn des Jahres.
Weitere Informationen:
Erklärung von Präsidentin von der Leyen mit Präsident Costa auf dem G7-Gipfel
G7 Leaders' Joint Statements, 16-17 June 2026
Audiovisuelle Berichterstattung
Media
Participation of Ursula von der Leyen, President of the European Commission, in the G7 summit
2026-06-16
| Zařazeno | čt 18.06.2026 16:06:00 |
|---|---|
| Zdroj | Evropská komise de |
| Originál | ec.europa.eu/commission/presscorner/api/documents?reference=AC/26/1386&language=de |
| lang | de |
| guid | /AC/26/1386/ |
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